Digital Leadership – Kühne Führung in digitalen Zeiten

Aktualisiert: 29. Okt 2020


Exzellente Führungskräfte streben auch in Zeiten der digitalen Transformation mutig danach, positive Spuren bei Menschen, in Prozessen und in Systemen zu hinterlassen, indem sie sich auf Wirkung, Produktivität und ECHTE Führung konzentrieren, nicht nur auf kurzfristige Resultate und bloßes „Management“. Im Idealfall streben kühne digitale Leader danach, ein motivierendes und inspirierendes Vorbild für Mitarbeiter und Kunden zu sein, ganz im Sinne von Sun Zi (500 v. Chr.): "Eine Führungspersönlichkeit führt am besten durch Vorbild und nicht durch Gewalt".

In unseren recht unbeständigen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen ("VUKA") Zeiten ist es mehr denn je notwendig, der wirtschaftlichen UND sozialen Wirksamkeit und Effizienz in Organisationen Führungspriorität einzuräumen, um nicht nur zu überleben und gerade so durchzukommen, sondern um dauerhaft zu prosperieren und kontinuierlich positive Werte zu schaffen, und zwar mit so wenig Verschwendung wie möglich bei Prozess und Ergebnis.

Um wirtschaftlich effektiv und effizient zu agieren, nähren Führungskräfte Fokus und Energie mit den richtigen Initiativen und Business Cases, die sie durch klare Zielfokussierung, wenige einschlägige Werkzeuge und beste Gewohnheiten zu hervorragender Wirkung zusammen mit ihren Teams, Partnern und Kunden führen. Um dies zu ermöglichen, fördern sie die soziale Effektivität und Effizienz, indem sie bei ihren Mitarbeitern und interessierten Parteien (Stakeholdern) Vertrauen schaffen. In Anlehnung an David Maister et al. (2018) ist Vertrauen mit einer "Vertrauensgleichung" verknüpft. Vertrauen wächst in dem Sinne, wenn wir die richtigen Hebel ansetzen und entwickeln, zum Beispiel:

Glaubwürdigkeit:

Was wissen wir wirklich, und worüber sprechen wir als Experte und/oder Führungskraft?

Verlässlichkeit:

Was sind Handlungen und Gewohnheiten, die kongruent zu unseren Worten passen?

Intimität:

Was sind die Gefühle, die wir wahrnehmen (EQ) und die wir in uns und anderen wecken?

Selbstorientierung:

Lassen wir das Ego aus der Gleichung und passen die Agenda an die Vision des Teams an?

Führungsexzellenz schafft Vertrauen und kombiniert außerdem wirtschaftliche und soziale Leistungshebel, um die Effizienz und Effektivität zu fördern. Die Idee, die richtigen Dinge richtig zu tun und dabei gemeinsam als Team sinnvolle Wirkung zu erzielen, lässt sich über die Rollen, Prinzipien, Aufgaben, Werkzeuge und beste Gewohnheiten zusammenfassen.

Die Rollen eines kühnen Digital Leaders mit Führungs-Kraft sind unter anderem:

Leader:

„Ich bin eine effektive Führungspersönlichkeit. Ich führe mit klarer Vision und Strategie und bin dazu in der Lage, die Menschen zu inspirieren, die richtigen Dinge umzusetzen.“

Manager:

„Ich bin ein effizienter Manager, der mit Werkzeugen und priorisierten Aufgaben die Dinge geregelt bekommt. Ich bin fähig, Menschen so zu steuern, dass sie die Dinge richtig tun.“

Coach:

„Als Coach befähige und begleite ich Menschen (Mitarbeiter, Kunden, Partner, …) mit kluger Intuition und gezielten Fragen, Potenziale zu nutzen und zur besten Version zu werden.“

Agent des Wandels:

„Als Change Agent fördere und fordere ich den positiven Wandel von Menschen, Teams und Organisationen. Evolution und Wachstum sind fester Teil meiner Führungsmission.“

Netzwerker:

„Ich bin ein emotional intelligenter Networking-Profi und verstehe es, Menschen zu verbinden, Vertrauen zu schaffen und exzellenter Zusammenarbeit anzustoßen.“

Leistungsträger (Performer):

„Führung durch Vorbild und Leistung gehört zu meiner Philosophie als Führungskraft. Ich agiere proaktiv mit Schwung und bester Energie und stecke andere damit positiv an.“

Ich habe die Bedeutung eines klaren Rollenbewusstseins in der Armee als Stabsoffizier und insbesondere in militärischen Spezialeinheiten, wie zum Beispiel in den Jagdkommandos (Einzelkämpfer) oder bei den Cyberkrieg-Spezialisten live erlebt. Klare Rollen fördern die Wirkung im Ziel: Wer führt (diesmal)? Wer führt nicht? Wer koordiniert die Aufgaben? Wer klärt das Szenario auf und gewinnt Informationen? Wer löst welches Problem? Wer hält die Verbindung zu Unterstützern und Interessengruppen aufrecht? Wer kennt wen (intern und extern)? Wer unterstützt wen? Warum? Wie dienen wir dem Auftrag und der Vision?

Neben Rollen zählen Prinzipien. Die Prinzipien einer exzellenten Führungskraft sind:

Bewusstsein für das große Ganze wie auch für die wichtigen Details, Hebel und Hindernisse.

Positive Haltung, Respekt und Vertrauen für Menschen und für sich selbst und für die Sache.

Fokus auf Resultate, Aktion, Verbesserung und Entwicklung von Menschen und Systemen.

Streben nach Synergien und dem Stärken von Stärken im Team ("Säge schärfen", S. Covey).

Mindset, Tools und Skills für optimale Wertschöpfung und Freiheit von Verschwendung.

Motivation von sich und anderen: Was ist für andere drin? Was springt für mich heraus?

Den Wert von Führungsprinzipien habe ich später auch in meiner Zeit als Führungskraft bei Amazon erfahren und schätzen gelernt. Wir hatten ausgezeichnete Führungsprinzipien, die eine positive Leistungskultur sowie Qualität, Sicherheit, Motivation, Vertrauen, Lernen und Entwicklung der Menschen voranbrachten und in den Mittelpunkt stellten. Beispiele für Führungsprinzipien von Amazon dafür sind: Kundenbesessenheit, Ergebnisorientierung, Tatendrang, Erfinden und Vereinfachen, Gesamtbild im Blick, höchste Standards einhalten, Rückgrat zeigen, durchaus auch anderer Meinung sein und sich dann verpflichten, zur Lösung beizutragen, Eigenverantwortung, Genügsamkeit, Lernen und gesunde Neugier.

Sie können die Amazon-Leadership-Principles leicht googeln oder hier nachlesen:

https://www.aboutamazon.com/our-leadership-principles

Es folgt eine Auswahl der Aufgaben einer Führungskraft, die auf (digitale) Wirkung zielt:

Analyse und Beurteilung der Lage: Analysieren Sie Ihre Situation stets aus verschiedenen Perspektiven. Bewerten Sie das Gesamtbild und das spezifische Szenario, zum Beispiel im Hinblick auf Wirksamkeit, Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und strategischem Nutzen.

Zielsetzung und -entfaltung: Entwickeln und definieren Sie messbare Ziele und Strategien auf der Grundlage Ihrer Analyse und Informationsgewinnung. Bewahren Sie sich Flexibilität und Agilität, indem Sie mehrere Szenarios und Optionen durchspielen. Ziele lenken Energien!

Intelligente Planung: Haben Sie Pläne und setzen Sie diese Pläne konsequent um. Seien Sie offen, mutig und kühn, wenn es darum geht, solange zu experimentieren und zu testen, bis die optimale Variante des Plans bzw. der Lösung aufgeht und in der Praxis überzeugt.

Messbarkeit: Messen Sie Ihre Aktionen, Ergebnisse und Verbesserungen konsequent. Nur was Sie messen und kontrollieren, können Sie auch steuern und kontinuierlich verbessern. Nutzen Sie dazu auch die Möglichkeiten virtueller Tools und visuellen Managements.

Personal- und Potenzialentwicklung: Entwickeln und befähigen Sie Teams und sich selbst auf stetige und strategische Weise und binden Sie dabei auch Kunden, Partner und sonstige Stakeholder mit ein, soweit dies Sinn macht und zur optimalen Wertschöpfung beiträgt.

Zu Beginn meiner Karriere habe ich eine exzellente Aufgabenorientierung, -verwaltung und -umsetzung im militärischen und öffentlichen Kontext ("intelligente Städte") erlebt. In der Armee gibt es einen Standard-Entscheidungsprozess und einen strategischen Rahmen zur Umsetzung von Aufgaben. Die Kurzform ist: Was ist unsere und die andere Situation? Was ist unsere Mission (Auftrag) bzw. die Kernaufgabe? Was ist unsere wesentliche Priorität? Was sind unsere relevanten Aktionen? Wer macht was, wann, wo, wie und warum? Wo erhalten wir die beste Unterstützung? Wie stellen wir die exzellente und wirksame Führung sicher?

Die Aufgabenumsetzung wird dort begleitet von einer erfreulich modernen Führungskultur, agilen Methoden, die wirken, und der bewussten Kombination von ausgewählten Hebeln in den strategischen Wirkdimensionen wie zum Beispiel: Wirkung, Information und Führung.

Hier sind nun einige Tools, um die Effektivität und Effizienz einer Führungskraft zu steigern:

Entscheidungsroutinen und -vorlagen, wie zum Beispiel auf der Grundlage des PDCA-Zyklus (Deming-Zyklus): Planen. Machen. Überprüfen. Anpassen; am besten ergänzt mit kompakten Entscheidungsvorlagen und Checklisten, um die Wirkfaktoren auf den Punkt zu bringen.

Effiziente Besprechungen, die exzellente Zusammenarbeit („Collaboration“) fordern und fördern. Zum Beispiel organisiert mit dem immer gleichen Fünfklang aus Zweck der Sitzung, Tagesordnung, heutige Spielregeln, klare Erfolgskriterien und am Ende: Impulsen zur Aktion.

Smarte Vereinfachung, zum Beispiel mit mutiger One-Pager-Orientierung in Protokollen und Dokumentationen, um Momentum und die Wirkung von Vorhaben und Aktionen optimal aufrechtzuerhalten. Wer seine Themen durchdenkt, kann diese auf eine Seite konsolidieren.

Feedback zur Entwicklung und Anerkennung von Menschen, beispielsweise mit dem POW³ER-Prinzip, das ich 2004 an der Bundeswehr-Universität kennengelernt habe: Positives Detail (PO)? Wahrnehmung? Wirkung? Wunsch bzw. Tipp? Was bringt es im Ergebnis (ER)?

Agile Tools zur Förderung von zielorientierter Aktion und Teamspiel, wie zum Beispiel Scrum(-Elemente) zur Team- und Aufgabenaussteuerung, Design Thinking für kreative und produktive Innovation und Lösungsentwicklung, Warrooming-Ansatz, Canvas-Ansatz, ...

Fokus-Werkzeuge, um sich auf das Wichtige zu konzentrieren: Neben der klassischen Eisenhower-Matrix (Was ist wichtig und/oder dringlich?) wirkt hier beispielsweise das „positive Nein“, der „systematische Müll“ und auch mein „30:30:30:10“-Ansatz.

Es ist mir seit vielen Jahren eine Freude, die exzellente Tool-Anwendung und -Entwicklung in der Unternehmensberatungswelt zu erleben. Consulting-Unternehmen und andere exzellente Organisationen mit Leistungskulturen sind Vorreiter, wenn es um wirksame Werkzeuge zur Gestaltung von Transformation, Projektmanagement und kontinuierlicher Verbesserung geht. Hier lohnt sich der wache Blick in die Branche. Weitere Beispiele sind Tools für virtuelles Teammanagement, One-Pager-Vorlagen für Feedback, Innovation und Prozessverbesserung (DMAIC), Automatisierung, Mail- und Aufgabenzeitboxen, ... sowie Wissensmanagement. Exzellenz im Umgang mit Werkzeugen findet sich in der Einfachheit.

Konzentrieren Sie sich auf wenige wichtige Werkzeuge mit Wirkung und meistern Sie diese.

Zum Abschluss teile ich einige Top-Gewohnheiten für digitale und analoge Kontexte:

Machen Sie es sich zur Gewohnheit, Ziele, Prioritäten und das Warum klar zu definieren.

Setzen Sie für sich und für Teams knapp kalkulierte Zeitfenster: JF, 1:1, Mails, Routinen, ...

Wenden Sie agile Methoden auch in Ihrer Selbstführung an, um sich stetig zu verbessern.

Trauen Sie sich, Entscheidungen durchzuhalten: Wer macht was, wann, wo, wie und warum?

Gehen Sie dorthin, wo der Prozess stattfindet: "Führung durch Herumgehen" (J. Welch, GE)

Leben Sie die Gewohnheit, stets auf beste Wirkung und Mehrwert (Win/Win/Win) zu zielen.

Ich habe ergänzend auf meiner jahrzehntelangen Kampfkunstreise, insbesondere im Taekwondo, viel über (Führungs-) Gewohnheiten gelernt. Dort dreht sich alles um die richtige Haltung und die Art und Weise ("Do"), die die richtigen Gewohnheiten und wirkungsvollen Handlungen vorantreibt. Gewohnheiten beruhen auf kontinuierlicher Anwendung und Wiederholung wie in den Kampfkunstformen ("Kata") deutlich wird.

Trainieren Sie Ihre besten Gewohnheiten, idealerweise sogar mit bewussten Anreizen oder dem richtigen Kontext. Der Handlungsrahmen in den Kampfkünsten ist durch ein hohes Maß an Disziplin und Ordnung ("5 S") und harten Zeitboxen ("Trainingsfluss" und "Aktionsfluss") definiert. Neben täglicher Vorbereitung, Konzentration und Konsequenz gibt es eine große und meiner einung nach sehr wirkungsvolle Betonung der Nachbereitung und des Abschlusses des Trainings und Einsatzes ("Cool Down" und "Meditation").

Auch in den Kampfkünsten werden die Aufgaben ("Training und Anwendung"), die Gewohnheiten ("Kata") und die Wirkung ("Erfolg") durch Rollen ("Gürtel"), Prinzipien ("Lehren") und Werkzeuge ("Techniken") bestimmt. Die Lehren sind zum Beispiel: Höflichkeit, Integrität, Ausdauer, unbeugsamer Geist und Bescheidenheit.

Die Reise zu herausragenden Führungsqualitäten mit der Absicht, die richtigen Dinge auf die richtige und wirkungsvolle Weise voranzutreiben, baut auf verschiedenen Rollen, Prinzipien, Aufgaben, Werkzeugen und Gewohnheiten auf. Die gilt in der Führung im Allgemeinen und aus meiner Sicht ganz speziell auch in der „kühnen Führung in digitalen Zeiten“. Die Aspekte, die ich erwähnt habe, sind ausgewählte Beispiele von vielen Möglichkeiten. Am besten Sie entdecken Ihre eigene beste Praxis und treffen Ihre Auswahl, wenn Sie es wagen, sich Ihres Führungsweges bewusst zu werden und die Gestaltung Ihrer Reise bewusst kühn ausrichten.

Als Anstoß schließe ich meinen Artikel mit drei Fragen, die Sie sich zur Reflexion und zum Selbst-Coaching (Selbstführung) mit der Absicht, sich kontinuierlich zu verbessern und zu wachsen, stellen können:

Wo bin ich in meiner täglichen Praxis bereits eine wirksame (und kühne) Führungskraft?

Wo stehe ich mir selbst noch ein bisschen (oder sogar etwas mehr) im Weg?

Was werde ich mehr, weniger, genau gleich, neu und/oder gar nicht mehr tun?

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Beste Energie aus Augsburg und eine spannende Woche für Sie!

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